…. nicht mehr auf dem Untergrund haftet.

Gesehen in der Philippine-Welser-Straße in Augsburg.
Holzmann-Bauberatung Building Surveyors
Building Surveyors for structural damages worldwide
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…. nicht mehr auf dem Untergrund haftet.

Gesehen in der Philippine-Welser-Straße in Augsburg.
… in Anlehnung an die DIN 55699
Das Wärmedämm-Verbundsystem (kurz WDVS) ist nichts anderes als ein Dämmsystem, welches aus werksmäßig hergestellten Produkten besteht, vollständig von einem Systemhersteller geliefert wird und aus folgenden Komponenten (siehe auch DIN EN 13499 und DIN EN 13500) besteht:
Klebemörtel/Klebemasse ggf. mit mechanischen Befestigungsmitteln zum Befestigen des Wärmedämmstoffes auf dem Untergrund
Wärmedämmstoff
Unterputz mit einem Bewehrungs- bzw. Armierungsgewebe
Oberputz oder auch eine andere Schlussbeschichtung

Der Hersteller stimmt hierbei die Komponenten speziell zueinander und zu dem jeweiligen Untergrund ab. Das heißt auch, dass die fachgerechte Anwendung des WDVS grundsätzlich objektbezogen zu planen ist. Befestigungsmittel, wie beispielsweise Dübel, Profile, Anschlussprofile, Dichtungsbänder, Zwischenbeschichtungen und Egalisationsanstriche sind immer nach den notwendigen Erfordernissen zu verwenden. Bevor das Dämmen aber beginnt, wäre es ratsam, die Dauer der Arbeiten, bzw. deren Beginn, genau zu planen. Ein wichtiger Grund hierfür ist die Verarbeitungstemperatur. Allgemein darf, sofern der Hersteller nichts anderes vorgibt, die Temperatur der Luft, des Untergrundes und der zu verarbeitenden Baustoffe während der Verarbeitung und während der Abbindezeit nicht unter +5°C fallen.
Lagerung
Die zu verarbeitenden Komponenten sind immer so zu transportieren und zu lagern, dass Schädigungen und Verschmutzungen vermieden werden. Hier sind vor allem zu beachten, dass flüssige oder pastöse Baustoffe keinen Frost erleiden, Trockenmörtel und Dämmstoffe nicht nass werden und Produkte, wie beispielsweise Polystyroldämmplatten, vor UV-Einstrahlung geschützt werden.
Untergrund
Allgemein muss der Untergrund selbstverständlich so beschaffen sein, dass er sich für das Aufbringen eines WDVS eignet. Er muss tragfähig, ausreichend trocken, in den vielen Fällen (geklebte WDVS) frei von losen Teilen, Staub und Fetten (z.B. Schalöl), sowie ausreichend eben sein. Ist der Untergrund zu uneben, so ist vor dem Aufkleben der Dämmstoffe eine Egalisation mit einem Ausgleichsputz notwendig. Die Klebemasse bzw. der Klebemörtel muss natürlich mit dem Untergrund verträglich sein. Neben dieser Untergrundvorbereitung sind in aller Regel auch weitere Maßnahmen von Nöten. Zu nennen wären hierbei die im besten Fall vor Arbeitsbeginn vorhandenen Horizontalabdeckungen, wie beispielsweise Fensterbänke, Brüstungsabdeckungen, Dachabschlüsse und Ähnliches. Auch sollte das Niederschlagswasser der Regenrinnen kontrolliert abgeleitet werden, mögliche Durchdringungen wie Wasserleitungen, Unterputzdosen, etc., verlängert oder vorgesetzt werden.
Anschlüsse an angrenzende Bauteile
Sehr wichtig sind bei WDVS die Ausbildungen der Anschlüsse an angrenzende Bauteile. Diese sind so auszubilden, dass Bewegungen zwischen den Grenzflächen keinen Schaden auslösen. Schlagregenbeanspruchte Anschlüsse sind mit Bändern, Profilen oder geeigneten Dichtstoffen entsprechend der zu erwartenden Belastung abzudichten. So gehören zwischen Dämmplatten und z.B. Fensterbrettern immer auch vorkomprimierte Bänder und zwischen Putz und Holzteilen (z.B. Sichtsparren, Traufschalungen, etc.) systemgerechte Füllstreifen.


Im Untergrund planmäßig angelegte Gebäudetrennfugen müssen in das WDVS übernommen und entsprechend ausgebildet werden. Die Fugen können mit geeigneten Bändern Profilen oder Dichtstoffen verschlossen werden.
Wärmedämmstoffe
Allgemein betrachtet bietet der Markt eine große Bandbreite von Wärmedämmstoffen. Angefangen mit synthetischen Produkten, wie beispielsweise Polystyrol oder Polyurethandämmplatten, über mineralische Dämmstoffplatten aus Glas- oder Steinwolle (oder einem Gemisch von beiden), Kalziumsilikatprodukte, aber auch mehrere Variationen von umweltverträglicheren Dämmstoffen, wie beispielsweise welche aus Kork, Holzfasern, Schilf etc. ( siehe „Natürliche und pflanzliche Baustoffe“ ISBN 978-3-8348-1321-3) an.
Befestigung
Die Befestigungsmöglichkeiten der Dämmstoffe werden allgemein in 3 Variationen unterschieden, wobei neben diesen dreien auch andere Befestigungsmittel möglich wären, sofern diese bauaufsichtlich zugelassen sind.
Die Hauptvarianten der Befestigung sind:
WDVS ausschließlich geklebt ggf. mit einer konstruktiven Dübelung
WDVS geklebt und gedübelt unter Verwendung bauaufsichtlich zugelassener Dübel
WDVS mit Profilbefestigung, z.B. durch Halte- und Verbindungsprofilen
Für das genannte Kleben der Dämmstoffplatten gibt es auch wieder mehrere Möglichkeiten, die jedoch vom Hersteller immer angegeben werden. Es gibt hierbei das Randwulst-Punkt-Verfahren, das maschinelle Wulstverfahren oder den ganzflächigen Auftrag des Klebematerials mittels einer Zahntraufel.
Wie oben schon angesprochen, sind größere Unebenheiten mit einem Ausgleichsputz zu egalisieren. Man kann Unebenheiten im Untergrund bis zu 1 cm (einzelne Stellen bis 2 cm) mit dem Klebemörtel ausgleichen, ist es jedoch mehr, empfiehlt sich immer der Ausgleichsputz. Abgesehen davon ist ein Ausgleichsputz (z.B. Kalkzementputz) auch preislich günstiger, als die Klebematerialien.
Die Verlegung der Platten erfolgt generell im Verband (ohne Kreuzfugen) und hierbei müssen die Platten auch fugendicht gestoßen, aufgebracht werden. Fugen und Fehlstellen sind immer eine Abschwächung der Dämmebene und als diese nicht zulässig. Selbiges gilt für Fehlstellen und Fugen die mit Klebemörtel verschlossen sind. Sind Fehlstellen oder Fugen unvermeidbar, so sind diese mit artgleichem Dämmstoff zu schließen. Ausnahmen bilden hierbei Fugen die kleiner als 5 mm sind, diese können mit einem geeigneten Füllschaum (Dämmschaum, nicht Montageschaum) entsprechend den Verarbeitungslinien des Systemherstellers geschlossen werden. An Gebäudeecken sind die Dämmstoffplatten in aller Regel eckverzahnt anzuordnen. Dämmt man mit Polystyroldämmstoffen (Polystyrol-Hartschaumplatten), die eine Dicke > 10 cm aufweisen, so können aus brandschutztechnischen Gründen besondere Maßnahmen erforderlich sein. Hierzu gehört zum Beispiel das Anordnen von Brandbarrieren (Brandriegeln) oberhalb von Öffnungen aus nichtbrennbaren Mineralwollstoffen. Besonderheiten gibt es auch bei der Ausführung von WDVS im Bereich von Brandschutzwänden, diese sind mitunter in den jeweiligen Landesbauordnungen zu finden.
Weist der Untergrund für eine alleinige Dübelung nicht die notwendige Abreißfestigkeit auf oder schreibt der Systemhersteller vor, zusätzlich zu dübeln, so sind die geklebten Dämmstoffplatten zusätzlich mit Hilfe von, für das jeweilige System zugelassenen, Dübeln zu befestigen. Hierzu ist es erforderlich, dass das Klebematerial unter den Dämmstoffplatten ausreichend verfestigt ist. Ein Austausch der vorgeschriebenen Dübel ist nicht zulässig. Bei der Dübelung selbst, sind in aller Regel die Dübelteller flächenbündig auf die Dämmstoffplatten zu setzen. Ausnahmen sind hier z.B., wenn der Systemhersteller andere Ausführungen ermöglicht.
Die Anordnung von Dübeln wird durch den Standsicherheitsnachweis bestimmt, welchen der Hersteller in aller Regel auch geführt hat. Als Wegweiser gibt hierbei die DIN 55699 folgende Beispiele:


Neben den zuvor aufgeführten Befestigungsarten gibt es auch Systeme, bei denen die Dämmstoffplatten mit Halte- und Verbindungsprofilen auf dem Untergrund befestigt werden. Hierbei werden umlaufend genutete Dämmstoffplatten mittels Halteprofilen am Untergrund befestigt. Diese Profile können werksgefertigte Metallprofile, aber auch Holzlatten u.ä. sein. Wie und mit welchen Dübeln die Haltekonstruktion zu befestigen ist, gibt auch hier der Systemhersteller vor. Wichtig ist vor allem, dass die vorgeschrieben Dübelabstände eingehalten werden und die Profile selbst verwindungsfrei montiert werden. Der Vorteil solcher Systeme ist, dass der Untergrund nicht so sehr aufwendig aufbereitet werden muss, wie bei den geklebten Systemen und Unebenheiten, die bis zu 3 cm relativ einfach ausgeglichen werden können. Bei einigen Systemen dieser Art ist es aber dennoch nötig, einen Klebemörtel hinter die Dämmstoffplatten einzubringen. Dabei sind dann rückseitig Klebepunkte mit einem Flächenanteil von ca. 20 % aufzubringen. In Abhängigkeit von der Art der Dämmstoffplatte und vor allem auch der Gebäudehöhe, sind die Dämmstoffplatten, ggf. auch zusätzlich mit dafür zugelassenen Tellerdübeln zu befestigen.
Bei all diesen Dämmvarianten ist sicher zu stellen, dass Luft-Hinterströmungen vermieden werden. Dieses ist besonders im Sockelbereich und um Gebäudeöffnungen zu beachten.
Unterputz
Vor dem Aufbringen des Unterputzes auf die Dämmplatten, mit nachfolgend kurz erklärter Bewehrung/Armierung, müssen in jedem Fall folgende Punkte erfüllt sein:
Der Klebebaustoff muss ausreichend verfestigt sein.
Die Dämmoberfläche muss eben und frei von Verunreinigungen bzw. Beschädigungen sein.
Die Fugen zwischen den Dämmstoffplatten müssen dicht gestoßen sein.
Die Anschlüsse an andere Bauteile müssen hergestellt sein.
Die Dämmstoffplatten müssen ausreichend trocken sein.
Durch UV-Einwirkung vergilbte Polystyrol-Hartschaumplatten müssen abgeschliffen und der Schleifstaub entfernt werden.
Der Unterputz selbst wird vollflächig und gleichmäßig auf die Dämmstofffläche aufgezogen. Anschließend wird die Bewehrung/Armierung in den aufgetragenen Unterputz vollständig eingebettet.
Bewehrung/Armierung
Sprechen wir von Armierung oder Bewehrung im WDVS, dann ist hierbei das in den Unterputz eingelegte Gewebe zu verstehen. Dieses kann beispielsweise das häufig genutzte alkalibeständige Glasfasergewebe, aber auch ein Metallgewebe sein. Das Gewebe selbst wird in den Unterputz vollständig eingebettet. Ist der Unterputz bis zu 4 mm dick, so sollte die Einlage mittig im Putz angeordnet werden, ist der Unterputz dicker als 4 mm so gilt allgemein, dass das Gewebe in der oberen Hälfte eingebettet sein muss (besser im oberen Drittel der Putzschicht). An Ecken von Öffnungen, Aussparungen, Nischen und Ähnlichem, ist eine zusätzliche Diagonalbewehrung/-armierung einzubetten. Bei den Armierungseinlagen ist in jedem Fall auf eine ausreichende Überlappung der Gewebeeinlage zu achten, zumeist gibt der Hersteller eine Überlappung von mind. 10 cm vor.

Die Kanten des Wärmedämm-Verbundsystems werden beispielsweise durch folgende Varianten ausgebildet:
Putzprofile
Gewebewinkel
profilverstärkte Gewebewinkel
Doppelte Gewebeeinlage
Hierbei gilt, dass zusätzliche Gewebeeinlagen und Gewebeeckwinkel auch vollflächig überdeckt und somit nicht sichtbar in den Unterputz eingebettet werden. Tropfkanten sind mit entsprechenden, systemzugehörigen Profilen herzustellen. Bei dicklagigen, mineralischen Putzen können korrosionsbeständige Putzprofile auch sichbar in dem Unterputz angeordnet werden.

Es gibt WDVS, die durch ihren Aufbau eine erhöhte mechanische Belastbarkeit aufweisen. Hierzu gehören mitunter Dämmsysteme, die mit Dickputzsystemen beschichten werden (z.B. Schilf-WDVS). Hierfür werden besondere Aufbauten und unter Umständen auch andere Materialien von den Herstellern vorgegeben, die einzuhalten sind.
Oberputz
Bevor man den Oberputz auf das WDVS aufbringen kann, muss in jedem Fall der Unterputz mit der Armierung ausreichend durchgetrocknet sein. Auch hier muss der Untergrund sauber und tragfähig sein. Je nach System und Zeitspanne (zwischen Unterputz- und Oberputzauftrag) kann es nötig sein, dass der Unterputz vor dem Aufbringen des Oberputzes mit einer Haftgrundierung überarbeitet werden muss.

Bei der Wahl des Oberputzes ist der sogenannte Y-Wert zu beachten, welcher auch als Hellbezugswert bekannt ist. Nach DIN 5033-3 darf der Hellbezugswert des Oberputzes bzw. der Schlussbeschichtung den Wert 20 nicht unterschreiten. Es gibt aber auch hier Ausnahmen, wie z.B. bei Kleinflächen, Verschattungen und auch Nordfassaden. Diese Ausnahmen sind mit dem Systemhersteller in Bezug auf die Machbarkeit zu klären. Falls erforderlich, ist die fertig gestellte Oberfläche bis zum Erreichen einer ausreichenden Witterungsbeständigkeit zu schützen.
Da es immer wieder einmal in meiner beruflichen Praxis als Bausachverständiger vorkommt, dass Bauherren und auch Planer, jegliche Art von Rissbildungen reklamieren, möchte ich an dieser Stelle auch nicht außen vor lassen, dass allgemein Risse unter 0,2 mm (Haarrisse) nicht als wasserführende Risse zu bewerten sind. Aber hierbei gilt es zu beachten, dass, auch wenn nicht mit Schaden zu rechnen ist, Haarrisse dennoch einen optischen Mangel darstellen können.
Gerade bei gefilzten oder dünn geriebenen Oberflächen kann eine Haarrissbildung nicht ausgeschlossen werden.
Um selbst kontrollieren zu können, wie breit der Riss ist, können Sie auch eine Risslehre nutzen. Aber bedenken Sie, dass die Rissbeurteilung keine Angelegenheit ist, die einfach mal so von einem Laien beurteilt werden kann. Auch Haarrisse können aufgrund von mangelhafter Verarbeitung und/oder Material entstehen, von daher ist die Untersuchung durch einen neutralen Bausachverständigen immer anzuraten. Neutrale Sachverständige arbeiten im Übrigen nicht als Angestellte eines Herstellers, Händlers, Bauunternehmens u.ä., ist dies so, so ist jegliche neutrale Basis als obsolet einzustufen. Als Rat suchender Bauherr können Sie sich sicher vorstellen, zu wessen Gunsten der als Sachverständiger ausgewiesene Mitarbeiter eines Herstellers oder Händlers, etc., beurteilt – schwer vorstellbar, dass er einem Verarbeiter, der regelmäßig und auf lange Zeit Ware bei ihm bestellt, negativ vor einem Einmalkunden (dem Bauherrn) beurteilen wird.

Auch Farbunterschiede bei getrockneten, eingefärbten, mineralischen Oberputzen sind nicht immer auszuschließen. Durch unterschiedliche Putzgrundtemperaturen oder infolge unterschiedlicher Saugfähigkeiten des Untergrundes können bei eingefärbten, mineralisch gebundenen Oberputzen, Farbton- und Glanzunterschiede auftreten. Diese stellen keine funktionelle Beeinträchtigung dar. Zum Erzielen einer gleichmäßigen Edelputzfläche (ausgenommen Kratzputze) muss grundsätzlich ein systemgeeigneter Egalisationsanstrich vorgesehen werden, der natürlich auch in die Leistungsbeschreibung aufgenommen werden muss.
Im Falle eines Kratzputzes gilt, dass die vorgeschriebenen Schichtdicken des Herstellers beachtet werden müssen, der Putz ebenflächig aufzubringen und nach dem ausreichenden Erhärten der Oberfläche richtungsfrei abzukratzen ist. Kratzputz ist nach DIN 18550-2 nicht zu bemängeln, wenn sich einzelne Körner beim Abreiben mit der Hand lösen lassen.
Neben mineralischen, geriebenen oder gekratzten Putzen bietet der Markt auch Alternativen, wie beispielsweise Kunstharzputze, Dispersionssilikatputze, Silikonharzputze und andere an. Wer keine Putzoberfläche möchte, kann auch Flachverblender, z.B. mit klinkerartigem Aussehen oder diverse keramische Beläge als oberen Abschluss der Oberfläche wählen. Auch hier sind die Angaben des Systemanbieters zu beachten.
Sockel
Für den Sockelabschluss bieten die Systemhersteller Profile an, die einfach aufgebracht werden können. Diese Profile werden in aller Regel in einem Abstand von ca. 30 cm mit Dübeln an der Wand befestigt und an den Stößen mit entsprechenden Profilverbindern verbunden. Wichtig ist, dass die Lage der oberen Sockellinie vom Planer genau bestimmt ist. Im Sockelbereich selbst (Spritzwasserzone 30 cm oberhalb Oberfläche Terrain) und dem erdberührten Bereich sind spezielle Dämmplatten zu verwenden, die hierfür auch bauaufsichtlich zugelassen sind.

Ich hoffe Ihnen, liebe Leser mit dieser Zusammenfassung ein wenig Einblick in das Wärmedämm-Verbundsystem gegeben zu haben, auch wenn dieser Text sicher keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat. Sollten Sie noch fragen hierzu haben oder selbst Ihr Gebäude gerade dämmen oder dämmen lassen, rufen Sie mich einfach an. Als Stuckateur und Ingenieur beschäftige ich mich seit Beginn meiner beruflichen Laufbahn, vor etwas mehr als 20 Jahren, mit den unterschiedlichen Möglichkeiten und Varianten von Wärmedämmmaßnahmen an Gebäuden und stehe Ihnen hierbei auch als geprüfter Bausachverständiger gerne zur Verfügung.
Von Holzspänen, über Papier, zur Dämmplatte.

• Vor ca. 32 mio. Jahren: Menschenaffe Karl-Josef (Name geändert) erfindet vielleicht beim Versuch einen Zahnstocher zu schnitzen Holzspäne. Damit ihm kein anderer das Patent klaut, versteckte er die Späne unter seinem Schlafplatz. Schnell merkte er, dass es dort, wo die Späne liegen, Nachts nicht mehr so kalt war. Der Dämmstoff Holzwolle war erfunden!
• 105 n. Chr. Der chinesische Ackerbauminister Tsai-Lun erfindet ein Verfahren zur Papierherstellung, zu welchem er neben Seidenabfällen auch den Bast des Maulbeerbaumes verwendete, und schreibt diese nieder.
• 1100 – 1200 So langsam kommt Papier nach Europa. Das Suchen nach dem bestgeeignetsten heimischen Rohstoff beginnt.
• 1860: Die großindustrielle Papierherstellung aus Holzfasern in Deutschland beginnt im laufenden Jahrzehnt.
• 1918: Prof. Dr. Diels beschreibt erstmals ausführlich die Zelluloseproduktion aus Holz für die industrielle Herstellung von Papier in seinem Werk „Ersatzstoffe aus dem Pflanzenreich“ und erwähnt : „Die Gewinnung von Spinnfasern aus Holz der Nadelhölzer ist nach dem Verfahren von Mitscherlich gelungen.“
• 1932: Eine Papierfabrik in Cham (Schweiz) beginnt mit der industriellen Aufbereitung von Holzzellulose zu Hartfaserplatten. Die produzierten Platten kommen unter dem Namen Pavatex auf den Markt. Die Firma Gutex beginnt in Waldshut-Tiengen mit der Produktion der Holzfaserplatte „Fahrnit“.
• 1998 Die Firma Steico beginnt mit der Herstellung von Holzfaserdämmplatten in Feldkirchen.
• Heute: Alles, was außerhalb von dauerhaft feuchten Gebäudeteilen ist, kann mit Holzfaserprodukten gedämmt werden.
Nein, neu ist die Nutzung von Holzfasern zur Dämmung sicherlich nicht. Auch wenn es sehr wahrscheinlich nicht Karl-Josef war, der die ersten Holzspäne unter sein Mammutfell legte und Tsai-Lun mit der Erfindung der Papierherstellung auch nicht wirklich daran dachte, dass sein Verfahren der Grundstein für die heutige Produktion von Holzfaserdämmplatten ist. Dennoch ist klar, dass beide Ideen; feine Holzspäne schützen vor Kälte, Holzfasern kann man aufweichen und in Form bringen, der Beginn, der heute auf dem Markt vorhandenen Dämmprodukte aus Holz waren.
Für die Herstellung von Holzfaserdämmplatten in Europa werden Schwarten, Späne und Hackschnitzel (Verschnitt aus den Sägewerken) der Gemeinen Fichte (Picea abies) verwendet. Fichtenholz hat den Vorteil der hohen Verfügbarkeit und einer besonders gut geeigneten Faserqualität, welche den fertigen Dämmplatten im Verhältnis zur Rohdichte eine hohe Festigkeit verleiht. Aufgrund der vorhandenen Porosität ist Holz allgemein ein schlechter Wärmeleiter und eignet sich daher gut als Wärmedämmstoff im Bauwesen. Dieses, ohnehin schon sehr gute Wärmedämmvermögen wird durch das Zerfasern des Holzes und der somit erreichten Erhöhung der Porigkeit weiter verbessert, womit ein werksmäßig hergestellter, hoch wärmedämmender Plattenbaustoff produziert werden kann. Diese Zerfaserung kann im Nass- oder Trockenverfahren vollzogen werden, wobei nachfolgend das gängigere Nassverfahren beschrieben wird.
Die „Holzabfälle“ der Sägewerke, welche beim Antransport eine Holzfeuchte von ca. 50% haben, werden zunächst zu Hackschnitzeln verarbeitet und nach Entzug der Fremdpartikel über Rüttelsiebe und Elektromagnete (Metallbestandteile) unter Einwirkung von Wasserdampf im Dampfdruckzyklon aufgeweicht. Die anschließende thermomechanische Zerfaserung wird über ein Defibrationsverfahren vollzogen. Hierbei werden die eingeweichten Hackschnitzel zwischen profilierten Mahlscheiben aus Metall zerfasert. Je nach später hergestellter Produktvariante können die nach dem ersten Mahlen gewonnenen Fasern nochmals über einen Raffinator nachgemahlen werden.

Durch diese Aufschlussprozesse wird die Faseroberfläche so weit aktiviert, dass beim späteren Trocknen der Holzfaserdämmstoffe die holzeigenen Bindekräfte (z. B. Hemizellulosen, Lignin u.s.w.) zusammen mit Wasser zur Abbindung gebracht werden. Eine Beigabe von zusätzlichen Bindemitteln ist in aller Regel nicht notwendig, wird jedoch bei manchen Produkten zur Erhöhung der Festigkeit oder des Wasserabweisungsverhaltens beigemengt. Hier kommen dann vor allem harz- und bitumenhaltige Bindemittel zum Einsatz.
Die Faserschlämme, welche aus bis zu 98% Wasser besteht, wird im nächsten Schritt in Bütten (Mischbütten) zwischengelagert und in einer Formstraße zu einem Faserkuchen gepresst. In der Formmaschine hat das Holz-/Wassergemisch noch etwa 42% Wasseranteil. Nach diesem mechanischen Auspressen, bei welchem ein Großteil des Wassergehaltes entnommen wurde, gelangt der Faserkuchen, nach einem Zuschnitt auf das gewünschte Längenmaß, in einen Trockenkanal (Etagentrockner). Im weiteren Produktionsverlauf werden die Holzfaserplatten bei einer Temperatur zwischen 160 und 220°C getrocknet und anschließend konfektioniert, d.h. auf Format geschnitten, profiliert oder für größere Dämmplattendicken mit einem i.d.R. wasserlöslichen Weißleim schichtverklebt.
Nach der Trocknung hat die entstandene Faserplatte noch einen Feuchtegehalt von ca. 7% und ist somit zur Verpackung und den Abtransport zum Handel bereit.
Die auf diese Art hergestellten Holzfaserdämmplatten enthalten folgende Inhaltsstoffe:
98 – 99 % Fichtenholzfasern
0,5 – 0,8 % Paraffin (gesättigte Kohlenwasserstoffe)
0,02 – 0,05 % Flocculant (Aufflockungsmittel div. Zusammensetzung)
< 1,6 % Polyvinylacetat aus allen Stoffen
Holzfaserdämmplatten werden zu meist bei Dämmarbeiten der Dachflächen eingesetzt, können jedoch auch wunderbar als Dämmstoff in oder auf Decken, für allgemeine Innendämmungen oder in einem verputzen Wärmedämm-Verbundsystem an der Fassade (oberhalb des Spritzwasserbereiches) eingesetzt werden. Letzteres wird zwar so langsam mehr und mehr bekannt aber dennoch, in Relation gesehen, viel zu selten angewendet. Nur schwer verständlich, erkennt man, dass bei Arbeiten mit Dämmplatten aus Holzfasern weit geringeren gesundheitlichen Belastung auftreten als bei synthetisch hergestellten Dämmplatten, die gerne mal hoch giftige Gase ausdünsten oder auch bei mineralischen Faserdämmprodukten, deren Bestandteile nicht selten hoch krebserregend sind.
Neben dem gesundheitlichen Aspekt ist aber auch die simple Verarbeitung im WDVS als Vorteil zu nennen. Wie alle bekannten Dämmplatten für verputze Dämmsysteme werden auch diese Platten auf den Untergrund geklebt und verdübelt, erhalten hiernach eine Armierungsspachtelung und abschließend einen Oberputz mit einem Egalisierungsanstrich. Mörtel, Armierungsgewebe und Dübelmaterial sowie alle anderen Zusatzprodukte sind vollkommen identisch mit denen einer Dämmung mit z. B. Polystyrol- oder Mineralwolledämmplatten. Einziges kleines Manko: Die Dämmwirkung ist nicht ganz so hoch wie bei den synthetischen Produkten, ergo man muss etwas mehr Dämmstärke einplanen. Aber auch dies dürfte für jemanden, der ein weitestgehend schadstofffreies Haus und somit ein wohngesundes Zuhause haben möchte, kein Problem darstellen.
Auszug aus dem Fachbuch: “Natürliche und pflanzliche Baustoffe” Gerhard Holzmann et al., Vieweg-Teubner Verlag
Wärme ist immer bestrebt, vom hohen Temperaturniveau zum niedrigen zu wandern. Um diese Wärmeübertragung zu vermindern, ist eine Wärmedämmung notwendig. Beim Haus soll Wärmedämmung bewirken, dass möglichst wenig Wärme nach außen entweicht, um innen angenehme Oberflächentemperaturen der Außenbauteile zu gewährleisten und um die Heizkosten und auch die Umweltbelastung minimal zu halten.

Die Güte der Wärmedämmung kann durch die Art und die Dicke der verwendeten Materialien beeinflusst werden. So hat z.B. eine Außenwand aus Hohlblocksteinen einen etwa doppelt so hohen Wärmeverlust wie eine gleich dicke Wand aus Ytong-Steinen oder eine Hohlblockwand mit 5 cm zusätzlicher Wärmedämmung.
Bei der Hausmodernisierung kann eine zusätzliche Wärmedämmung, sowohl auf der Innenseite als auch auf der Außenseite, angebracht werden. Innen können die Maßnahmen Zug um Zug durchgeführt werden. Außen empfiehlt sich die Wärmedämmung, wenn ohnehin ein neuer Anstrich oder ein Neuverputz vorgesehen ist, zudem sind die Kosten einer Wärmedämmung im Vergleich zu denen der Putzsanierung meist nicht mit wesentlich höheren Mehrkosten verbunden.
Innendämmung von Wänden:
Die Innendämmung von Außenwänden wird überall dort bevorzugt, wo Räume rasch und in der Regel nur für kurze Zeit aufgeheizt werden sollen (z.B. Versammlungsstätten) und wo erhaltenswerte Altbaufassaden (z.B. reich gegliederte Stuckfassaden) aufgrund denkmalpflegerischer Gesichtspunkte nicht verändert werden dürfen. Auch bei vorhandenen Sichtbeton-, Klinker- und Natursteinfassaden werden in der Regel innenseitige Dämmmaßnahmen vorgenommen, um das äußere Erscheinungsbild der Gebäude zu erhalten.
Innendämmungen verändern jedoch das bauphysikalische Verhalten von Außenwänden ganz wesentlich. Bei niedrigen Außentemperaturen und mit zunehmender Dicke der Innendämmung sinkt die Temperatur im tragenden Wandbauteil stark ab, wodurch sich die Lage des Taupunktes weit nach innen. d.h. zur Rauminnenseite hin, verschiebt. Die wärmespeichernde Wirkung der schweren Wandteile geht verloren und im Übergangsbereich zwischen tragender Wand und Innendämmung kann es im Winter zur Kondensation und eindiffundierender Raumfeuchte kommen. Tauwasserausfall im Inneren oder auf der Oberfläche von Bauteilen entsteht immer dann, wenn die Taupunkttemperatur unterschritten wird.
Außendämmung von Wänden:
Die außenseitig aufgebrachte Wärmedämmung weist aus bauphysikalischer Sicht überwiegende Vorteile auf. Dadurch, dass alle Bauteile gleichmäßig ummantelt und lückenlos gedämmt werden (z.B. auch Fensterstürze und Fensterlaibungen, einbindende Decken und Zwischenwände, Ringanker, Heizkörpernischen, außenliegende Rohrleitungen usw.), ist die tragende Wandkonstruktion nur geringfügigen Temperaturschwankungen ausgesetzt. Somit halten sich thermisch bedingte Baukörperbewegungen (Rissbildungen in der Wandscheibe durch Längenänderungen, Spannungen und Verformungen) in Grenzen. Des Weiteren übernimmt die Außenwand eine temperaturregulierende Funktion. Das Wärmespeichervermögen des Bauteils bleibt erhalten und dient dem Temperaturausgleich im Innenraum (verzögerte Außentemperatureinflüsse). Da bei richtiger Dimensionierung der Dämmschichtdicke und dem Einsatz bauphysikalisch bewährter Systeme die Taupunktlage weit nach außen verlegt wird (Frostbeanspruchung nur bei der äußersten Oberflächenschicht der tragenden Wand), kann auch kaum Tauwasserbildung im Inneren der tragenden Bauteile entstehen. Die daraus ableitbare konstantere Oberflächentemperatur auf der Rauminnenseite gewährleistet, sowohl im Winter als auch im Sommer, ein behagliches Innenraumklima.
Da der Diffusionswiderstand der einzelnen Schichten von innen nach außen abnehmen soll, eignen sich für die nachträgliche Außendämmung von aufgehenden Bauteilen ? neben dem relativ problemlosen Wärmedämmputz ? vor allem PS-Hartschaumplatten mit niedriger Rohdichte 15 bis 20 kg/m³, sowie nichtbrennbare, diffusionsoffene Mineralfaserplatten.
Kritische Stellen an wärmegedämmten Gebäuden sind u.a. Wärmebrücken:
Bei einer fehlerhaften Ausführung der Wärmedämmung in diesen Bereichen entstehen Wärmebrücken, welche gravierende Mängel für das Bauwerk bedeuten können. Eine Wärmebrücke hat drei entscheidende Nachteile:
1. Sie bewirkt an einzelnen Stellen niedrigere Oberflächentemperaturen.
Dadurch ergibt sich die Gefahr von Tauwasser- und Schimmelpilzbildung.
2. Kalte Stellen wirken unbehaglich und die sich bildenden Pilze sind gesundheitsschädlich.
3. Die Baukonstruktion hat erhöhte Wärmeverluste, die einen erhöhten Heizenergiebedarf bewirken.
Als Wärmebrücke (manchmal auch Kältebrücke genannt) bezeichnet man einzelne, örtlich begrenzte Schwachstellen einer Baukonstruktion, durch die mehr Wärme fließen kann, als durch die umgebenden Flächen. Oft sind die Wärmebrücken an Anschlüssen von einem Bauteil zum anderen zu finden, gerade hier ist es schwer, eine befriedigende Lösung auszuführen, welche Schwachstellen in der Wärmedämmung ausschließt. Als in der Praxis oft gefundene Beispiele für solche Schwachstellen, zeigten sich nach außen zum Balkon durchgezogene Betondecken, Fensteranschlüsse, Anschlüsse an benachbarte Bauteile, Dächer, Türen und Vordächer.
Da Wärmebrücken oft die Ursachen von Bauschäden sind, muss bei Maßnahmen am Haus auf diese Bereiche besonders geachtet werden. Eine sichere Methode zur Vermeidung von Wärmebrücken jeglicher Art, ist eine das gesamte Bauwerk einhüllende Wärmedämmung. Dadurch befindet sich die gesamte Baukonstruktion auf der “warmen Seite” der Dämmung.
Mehr zum Thema Wärmedämmung finden Sie hier:
“Natürliche und pflanzliche Baustoffe” Vieweg+Teubner Verlag: http://url9.de/9XW
“Das Baulexikon” Umfassendes Lexikon App bei iTunes vom Schiele und Schön Verlag: http://url9.de/6NS
Oder Sie nehmen direkt Kontakt mit mir auf. Neben dem Begutachten von Wärmedämmungen zur Schadensermittlung oder für Beweisverfahren erstellen wir auch Sanierkonzepte und betreuen Sie bei Eigenleistungen.
Dieser Text wurde bereits im Jahr 2011 Teile davon auch schon im Jahr 1998 erstellt